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Guggenheim Museum – Bilbao

Guggenheim Museum

Belastet von ökologischem Scham, aber beseelt von künstlerischer Neugier buchte ich bei Ryan Air einen Flug nach Santander für 19.90€, um das das Guggenheim Museum im benachbarten Bilbao zu besuchen.

Die US-amerikanische Guggenheim-Foundation suchte Anfang der 1990er nach einem europäischen Museumsstandort und stand mit vielen bedeutenden Städten in Verhandlungen. Das größte Interesse zeigten die Stadtverantwortlichen Bilbaos, die in der Errichtung eines international renommierten Kunsttempels eine Riesenchance für ihre von der De-Industrialisierung und von ETA-Terroranschlägen gebeutelten eine Riesenchance sahen. Man einigte sich auf folgenden Deal: Die Stadt bzw. Region stellen Fläche und Geld zur Verfügung, dafür steuert die Guggenheim-Foundation ihre Sammlungen bei und kümmert sich um das komplette Management.

Mit dem kanadisch-amerikanischen Architekten Frank O’Gehry gewann ein Vertreter des dekonstuktivistischen Baustils das Rennen um die architektonische Gestaltung des Museums, welches 1997 eröffnet wurde. Den Mittelpunkt bildet ein gläsernes Atrium mit einem Oberlicht aus Metall in Form einer überdimensionalen Blume. Charakteristisch für das ovale Gebäude mit lang gezogenen, herausragenden Dachteilen ist die Anordnung in sich verdrehter Elemente aus Titan im Fischschuppen-Muster. Kontrastiert werden diese mit rechtwinkligen Kalksteinblöcken, in die ebenfalls gebogene Formen aus Titan eingelassen sind. Das Gebäude umfasst insgesamt 24.000 qm und hat eine Ausstellungsfläche von 11.000 qm, die in 19 Galerien aufgeteilt sind.  Zehn von ihnen besitzen eine klassische Raumaufteilung und sind von außen an ihrer steinernen Fassade zu erkennen. In den neun zentralen Galerien ist die Raumaufteilung jedoch sehr unkonventionell und von organischen Formen bestimmt. Diese neun Galerien sind von außen durch ihre Titan-Zink-Verkleidung zu erkennen.

Der Besuchers in das Museum  gelangt entweder von der Straße aus über eine Haupttreppe hinab in das Innere oder über oder von der Uferpromenade aus über eine Rampe. Beide Zugänge treffen in dem hohen, zentralen Atrium des Museums aufeinander. Von d ort aus breiten sich die Wege wie Äste in die Ausstellungsräume aus.

In der 1. Etage ist eine Sonderausstellung mit 82 Portraitbildern von David Hockney zu sehen, die er seit 2013, als er wieder in die USA zurückgekehrt war, schuf. Alle Werke entstanden nach dem gleichen Procedere: Es war ein Zeitumfang von 20 Stunden, auf drei Tage verteilt, vorgesehen. Alle Portraitierten, darunter auch Frank O`Gehry, saßen auf dem selben Stuhl. Als Hintergrund fungierte ein Vorhang, wobei dessen Farbgestaltung variierte.

Ausgangspunkt für die Sonderausstellung  “Kunst und Raum” in der 2. Etage  ist die Zusammenarbeit des baskischen Bildhauers Eduardo Chillida und des deutschen Philosophen Martin Heidegger im Jahr 1969, die zur Herausgabe des gleichnamigen Künstlerbuchs führte.  Die Ausstellung, mit mehr als hundert Werken internaler Künstler, darunter Olafur Eliasson und Ernesto Neto, ermöglichen dem Betrachter, die verschiedenen Arten zu betrachten, in denen das Kunstwerk “den Raum in Besitz nimmt” und der Raum “das Kunstwerk durchquert”.

Die ganze 3. Etage ist den Meisterwerken im Guggenheim Museum gewidmet. Ein Raum mit wenigen großflächigen Bildern beschäftigt sich mit dem abstrakten Expressionismus, wie  Mark Rothko  und Robert Motherwell. Beeindruckt hat mich Yves Kleins Werk, das sich deutlich von den Werken unterscheidet, die ich bisher gesehen habe. Er hat dafür eine mehrere Liter seiner patentierten blaue Farbe auf die Leinwand geschüttelt und ein Modell gebeten, sich darauf zu wälzen; die Abdrücke und das hin und her bewegen spiegeln sich dann auf dem Werk wider.

Zwei deutschen Giganten ist ein ganzer Raum gewidmet, Gerhard Richter und Anselm Kiefer. Bei Kiefer wird in den drei monumentalen Werken deutlich, dass er sich mit der Geschichte Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg auseinandergesetzt hat, indem er auf historische Situationen, und zum Teil sogar auf Sagengestalten oder Quellen der Kultur zurückgegriffen hat.

Ein weiterer Raum beherbergt drei wegweisende US-Künstler: Cy Twomblys Werk besteht eigentlich aus insgesamt neun einzelnen Bildern, die sich in abstrakter Form mit der Schreckensherrschaft des römischen Kaisers Commodus auseinandersetzen. Es sind dabei unterschiedliche Phasen zu erkennen – von einfachen Wolkenkonstellationen bis zu einem blutigen Gemetzel.  Robert Rauschenbergs Werk ist über 10 Meter lang und spiegelt Fragmente der damaligen technisierten Lebenssituation wider, von der Raumfahrt bis hin zur Rüstung. Andy Warhol ist ebenfalls mit einem Monumentalwerk von mehr als 10 Meter Länge repräsentiert:  150 mal erscheint dort sein berühmtes Portrait von Marilyn Monroe in jeweils unterschiedlichen Farbnuancen.

Den Abschluss meines Besuchs bildete die Installation von Richard Serra “A Matter of Time”.  Ein Gefühl von Zeit, eine Angelegenheit von Zeit, ein Raum für Zeit, egal wie man das Werk benennt, es war total beeindruckend für mich, nicht nur, wenn man von oben auf darauf schaut und sich den Gesamteindruck verschafft, sondern insbesondere wenn man sich in die einzelnen Installationen begibt. Man fühlt sich plötzlich klein und winzig, ich merke, dass ich einfach ein anderes Gefühl für die Zeit bekomme, als ich mich an den Wänden entlangtaste, wie klein man selbst angesichts der gigantischen Ausmaße ist, die mich umgeben, einengen und mir irgendwo den Weg vorgeben. Plötzlich muss man an einer Ecke eine Drehung machen sieht sich  in einer Sackgasse und muss den ganzen Weg zurückgehen. Die Wände sind auch nicht gerade, sie bewegen sich in eine Richtung, mal neigen sie sich weg von einem, mal engen sie einen ein, dass man quasi kaum noch eine Möglichkeit hat weiterzugehen, aber es gibt immer einen Weg und plötzlich öffnet sich der Weg und man steht vor einem großen freien Platz mit vielen Möglichkeiten.

 

 

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