Bildende Kunst

Radtour Eisenhüttenstadt – Frankfurt / Oder

Eine lohnende Fahrradtour, die sich leicht mit Hilfe der Regionalbahnen von Berlin aus realisieren lässt, ist die Strecke von Eisenhüttenstadt nach Frankfurt / Oder. Die Route entlang der Oder beträgt mit einem kleinen Schlenker knapp 40 Kilometer und enthält keine bemerkenswerten Schwierigkeiten. Insbesondere der Teilabschnitt von Eisenhüttenstadt bis Brieskow-Finkenheerd ist malerisch und von umwerfender Schönheit geprägt. Dann muss man leider den Weg entlang der Oder verlassen und fährt doch auf wenig befahrenen Landstraßen bis nach Frankfurt / Oder, eine Strecke ohne besondere Highlights.

Beginnen wir mit dem Ausgangspunkt, dem Bahnhof Eisenhüttenstadt. Von dem aus radeln wir zur Altstadt der ehemaligen Stalinstadt, dem Ort Fürstenberg, an den die damalige Musterstadt der DDR angegliedert wurde. Wer diesen Ort noch nicht kennt, sollte sich unbedingt das Kunstmuseum anschauen. Die Galerie des Städtischen Museums existiert seit 1994 und Sie verfügt über eine Sammlung von Kunst der DDR: Malerei, Grafik und Kleinplastik. In ihrem Bestand befinden sich auch die künstlerischen Nachlässe des Malers Otto Schutzmeister und des Bildhauers Herbert Burschik. Weiterhin befinden sich im Innenhof zahlreiche Skulpturen der DDR Kunst, die nach der Wende nirgendwo sonst ihren Platz fanden. Darüber hinaus finden regelmäßig Sonderausstellungen von aufstrebenden Künstler*innen statt.

Eisenhüttenstadt, Städtisches Museum

Entlang der Oder radelt man dann unbeschwert und genießt die Aussicht auf den Fluss, teilweise auf dem Deich, teilweise unterhalb des Deichs auf einem befestigten Radweg, der relativ wenig frequentiert wurde. Auf dem Weg nach Frankfurt kommt an zwei verlassenen Bauwerken vorbei, deren Bedeutung bis in die Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft zurückreicht.

Unmittelbar dem Eisenhütter Stadtteil Fürstenberg befindet sich die Ruine des Kraftwerks Vogelsang. 1943 begann das zum großen Teil in staatlicher Hand liegende Unternehmen “Märkisches Elektrizitätswerk A.G.” (MEW) mit dem Bau des als Typenbauwerk “Wilhelm” projektierten Kraftwerks, welches den erhöhten Energiebedarf der immer höher werdenden Kriegsanstrengungen des Deutschen Reiches decken sollten. Insgesamt waren 10 Stück der mit jeweils 300 MW Leistung projektierten Anlagen geplant. Gebaut wurde hauptsächlich mit Zwangsarbeitern des nahegelegenen M Stalag III B, ein Großteil der Arbeitskräfte bestand neben Juden aus sowjetischen Kriegsgefangenen. Der Bau verzögerte sich jedoch immer wieder durch ständige Luftangriffe und mangelndem Material, der endgültige Baustopp erfolgte am 31. Januar 1945, zu diesem Zeitpunkt war bereits der Probelauf einer fertiggestellten Maschine erfolgt. Nach Kriegsende wurde die gesamte Technik von den Sowjets demontiert und als Reparationszahlungen in die Sowjetunion gebracht. Anschließend nutzen die Fürstenberger das leere Kraftwerk als Steinbruch, um Baumaterial zu gewinnen. In den 70iger Jahren begann die GST mit der Nutzung des Kraftwerksgeländes für Wehrsportübungen. 1998 begann der Teilabriss der Kraftwerksruine durch Fördermittel der EU, dieser wurde jedoch zunächst von Naturschützern gestoppt.

Zunächst wunderte ich mich, dass entlang des Wegs ein elektrisch geladener Zaun von ca 50 cm Höhe gespannt war, wobei mir aufgrund einer Nachfrage mitgeteilt wurde, dass dies Schutzzäune gegen die Übertragung der afrikanische Schweinegrippe durch Tiere jenseits der Oder sind.

Nähert man sich Brieskow-Finkenheerd sollte man nicht den direkten Weg zu dem Ort nehmen, sondern zunächst der vor einem liegenden Halbinsel einen Besuch abstatten. Umrahmt wird diese Idylle vom Brieskower See, welcher an seiner Spitze in die Oder mündet. Entlang des Sees kann man die Natur genießen; so kreuzten direkt vor mir zwei Rehkitze den Weg und ließen sich überhaupt nicht von meiner Anwesenheit stören.

Die historischen Bauten einer ehemaligen Regattastrecke sind schließlich das zweite Relikt der Vergangenheit auf meinem Weg: Seit 1920 organisierten die Frankfurter Ruderklubs regelmäßig Regatten. Nach 1922 entstanden das Bootshaus, der Zielrichterturm und gegenüber eine völlig überdachte Tribüne mit tausend Sitzplätzen. Für die Olympischen Spiele 1936 galt die Regattastrecke Brieskower See als Ausweichstrecke für Berlin Grünau. Heute ist noch der Zielrichterturm zu bewundern. Ein weiteres Highlight ist die Steile Wand, eine der seltenen Steilküsten der Oder.

Als Belohnung, wenn man schließlich in Frankfurt / Oder angekommen ist, lohnt sich ein Besuch des sogenannten Gränz Cafes direkt an der Oder, welches mit hervorragenden Torten und den verschiedenen Kaffee-Kreationen, selbst geröstete Bohnen natürlich, den mehr oder weniger erschöpften Radler verwöhnt.

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