Ausstellungen

Urban Nation

Urban Nation

“Street Art gehört auf die Straße, die Geschichte jedoch braucht ein Zuhause”, sagt Yasha Young, künstlerische Direktorin von Urban Nation,  dem neuen Museum für Street Art, Graffiti und Aktionskunst. Am 16. September öffnete das Urban Nation Museum in Schöneberg mit einer Ausstellung von 150 international bekannten Künstlern, die sich auf die Gestaltung von Mauern, Fassaden und öffentlichen Räumen spezialisiert haben. Mit dabei sind etwa die Szenegrößen Shepard Fairey, Banksy und Lora Zombie. Das Projekt ist eine Initiative der Stiftung Berliner Leben, die von der Wohnungsbaugesellschaft Gewobag getragen wird. Die Lotto-Stiftung unterstützt das Museum mit insgesamt 1,4 Millionen Euro.

Schon das Museumsinnere bietet ungewöhnliche Erfahrungen: Urban Nation  verlegt die Straße buchstäblich ins Gebäude. Eine Trasse, ein Galeriesteg, die sich durch das zweigeschossige Innere zieht, ermöglicht es, die ausgestellten Arbeiten sowohl aus der Distanz als auch aus der Nähe zu betrachten.

Die Vielzahl und Vielseitigkeit der Werke erschlägt einen fast; da hilft auch nicht der Versuch der Kuratoren, eine Kategorisierung vorzunehmen, die in meinen Augen in vielerlei Hinsicht doch recht aufgesetzt und zum Teil unpassend ausfällt.

Das in der Mehrheit auffallend junge Publikum fühlte sich von den farblich überbordenden, thematisch verspielten Werken angesprochen, die zum Teil für meinen Geschmack schon fast in den Kunstgewerbebereich abglitten. Mich dagegen beeindruckten die Darstellungen, in denen Gesellschaftskritik geübt bzw. die Zerrissenheit des Einzelnen in der Gesellschaft dargestellt werden.

Der absolute Höhepunkt für mich war das Werk “Untitled” des portugiesischen Street-Art-Künstlers VHILS, das einen Männerkopf – Ähnlichkeiten zu Che Guevara sind offensichtlich – abbildet.

Alexandre Farto – so sein bürgerliche Name – nutzt nicht die traditionelle Sprühdose oder andere Farbmedien, sondern er kreiert sein Werk mit Hilfe der Schlagbohrmaschine oder anderer Werkzeuge großflächig als Reliefarbeit an die Hauswand. Es war für mich ein faszinierenden Erlebnis, mich direkt vor der Wand aufzustellen, das zum Teil nackte Mauerwerk, die Putzschichten, die Raufasertapete zu berühren, dann peu à peu zurückzutreten, und die Entwicklung dieses Werkes auf mich wirken zu lassen.

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