Bildende Kunst

Richard Oelze

Tal Josaphat

In einer aufgrund einer Empfehlung besuchten Ausstellung lernte ich den Maler Richard Oelze kennen. Er wird als einer der bedeutenden deutschen Maler des Surrealismus angesehen. Typisch für seine Arbeiten ist die geheimnisvolle Darstellung von Landschafts- und Figurenkompositionen, aus denen sich merkwürdige Physiognomien herausformen, unheimliche Gestalten dem Betrachter entgegenwölben, Grotten aus Glubschaugen sich bilden. Er steht als Künstler jedoch nicht nur in der Tradition der fantastischen Malerei, er ist auch ein Maler der Nachkriegszeit, der seine eigene Lebenswirklichkeit sowie die Schrecken des NS-Regimes und des Zweiten Weltkriegs verarbeitet.

Deutlich wird dies anhand des in der Ausstellung gezeigten Werks „Tal Josaphat“ (s.o.), eines seiner letzten Werke (1969). Der Titel verweist auf das biblische „Tal Josaphat“ (ein alttestamentarischer Schauplatz des Jüngsten Gerichts nach dem Buch Joel). Auf dem Bild scheinen die Geister der Verstorbenen in Form von Fratzen aus kistenartigen Grabmälern ihre Auferstehung zu feiern. Mich persönlich sprach jedoch ein Bild an, das aus dieser Thematik herausfiel. In „Landschaft mit Kapelle“ spiegelt sich auch die in den anderen Werken dominierende düstere, geheimnisvolle Atmosphäre wider, jedoch fehlen figürliche Elemente; und es entstand bei mir durch die Wahl der Farbe und dessen dezentem Auftrag ein Gefühl der Wärme.

Richard Oelze

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