Bildende Kunst

Kerker der Phantasie

Im Mittelpunkt der diesjährigen Sonderausstellung der Sammlung Scharf-Gerstenberg steht Giovanni Battista Parenesis Serie von 16 Radierungen „carcesi dínvenzione“ (Kerker der Phantasie) aus dem Jahr 1761. In den mehrfach überarbeiteten Bildern verleiht Piranesi dem Kerker eine metaphorische Bedeutung: Er klagt die Personen / Institutionen an, die er als Behinderung der Künste und Bedrohung seiner eigenen Freiheit ansah. Insofern ging es ihm nicht darum, Abbilder von Gefängnissen darzustellen, sondern die Gefangennahme der Phantasie anzuprangern.

Dabei bilden diverse Folterwerkzeuge einen Fixpunkt: Das Rad ist eines der bevorzugten Motive, welche den Sinn oder das Zeichen für die „Kerker-Ikonographie“ verschaffen. Es hat eine ähnliche Form wie die eines Drehrads. In der christlichen Ikonographie gehört das Drehrad zu einem der am häufigsten dargestellten Martergeräte; insofern kann es als ein Symbol des Martyriums interpretiert werden.

Zur näheren Beschäftigung mit diesem bemerkenswerten und tiefgründigen Werk bieten sich folgende Publikationen an:

Aufrufe: 20

Schreibe eine Antwort

Theme von Anders Norén