Bildende Kunst

Bilderkeller – Akademie der Künste

Im Keller der Akademie der Künste sind seit kurzem Wandmalereien von Meisterschülern der Akademie der Künste (Ost) zu besichtigen, die 1957 und 1958 anlässlich von Faschingsfeiern entstanden.

In Nachfolge der Preußischen Akademie der Künste wurde in diesem Gebäude die Tradition der Meisterschülerausbildung in der DDR fortgeführt. Betreut von arrivierten Mitgliedern, wie zum Beispiel dem damaligen Direktor Fritz Cremer, konnten die Künstler dort zwei Jahre in Ateliers arbeiten. Jedoch wirkte die kulturpolitische Forderung der SED nach einem sozialistischen Realismus, der sich deutlich von den Kunstrichtungen des Westens abgrenzte, in die Arbeit der Akademie hinein. Als eine Form der Auseinandersetzung und des Protestes gegen diese Gängelung sind die Faschingsszenen zu interpretieren, wo die Künstler  inoffiziell experimentierten und sich künstlerisch austoben konnten. So bediente man sich Strichmännchen und grafischer Bildzeichen, um auf subtiler Art Gesellschaftskritik zu äußern – ein Stil der später von A. R. Penck weiterentwickelt wurde. Oder man nahm Anleihen an Picasso und Vertretern der abstrakten Kunst.

Aus dieser bemerkenswerten Sammlung sticht das Werk von Harald Metzkes hervor, der einmal zu dessen Entstehung sagte:  „Wir hatten unsere großen Meister, also Cremer, Seitz, Drake, Nagel und Heartfield, zum Fasching eingeladen, 1956 und 1957. Die Fete fand im Keller statt, Bildhauer Werner Stötzer gab das Thema vor, nach dem wir den Ort dann ausgemalt haben – es war die Moritat vom Wilddieb und vom Förster.“  Metzkes hatte damals die größte Fläche zur Verfügung: Sein „Gastmahl der Wilderer“ mit den schwarz gewandeten Herren breitet sich auf fast zwölf Quadratmetern aus, ist etwa fünf Meter breit und zweieinhalb Meter hoch.

Nach dem Mauerbau 1961 wurde dieses Gebäude, das sich in unmittelbarer Nähe zur Grenze befand, hauptsächlich von Grenzsoldaten als Unterkunft genutzt und im Keller die Kohle gelagert. Erst nach der Wende besann man sich der Zeichnungen in den Kellerräumen und versucht sie aufwändig zu retten. Dank des Strappo-Verfahrens konnte z.B. das Werk von Metzkes restauriert werden und ist in voller Größe in der Akademie zu betrachten.

Bei diesem Verfahren wird nur die Schicht mit den Pigmenten und einem sehr geringen Putzanteil abgelöst. Auf die Bildoberfläche wird Leim aufgetragen und darauf werden zwei Lagen von Stoff aufgelegt und nach vollständiger Trocknung von der Wand abgezogen. Das Fresko wird bei diesem Vorgang mit abgelöst. Bei der anschließenden Bearbeitung im Labor werden restliche Putzspuren entfernt und ein weiterer Stoff auf der gereinigten Rückseite aufgetragen. Schließlich wird der Stoff auf der Vorderseite vorsichtig entfernt. Das Fresko kann jetzt auf einen neuen Bildträger aus Leinwand oder Holz aufgezogen werden.

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