Ausstellungen, Bildende Kunst

“Surreale Sachlichkeit”

Wilhelm Lachnit, der traurige Frühling

Ausgehend von den Werken der Nationalgalerie, die über einen reichen Bestand aus der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen verfügt, wirft die Ausstellung in der Sammlung Scharf-Gerstenberg einen neuen, durch den Surrealismus geschärften Blick auf das Phänomen der Neuen Sachlichkeit.

Beide Bewegungen – der Surrealismus wie die Neue Sachlichkeit – sind in Reaktionen auf die historischen Kunstrichtungen entstanden, die mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges ausgedient hatten: Für die Surrealisten wie für die Künstler der Neuen Sachlichkeit trat die subjektive Sicht des Künstlers zugunsten einer “objektiven” Betrachtungsweise zurück, in der sich die gesellschaftliche Realität widerspiegelte – mit ihren neuzeitlichen Errungenschaften, aber auch mit ihren sozialen und gesellschaftlichen Abgründen.

Besonders deutlich wurde dies für mich bei den Werken, die den Menschen als Sujet in den Mittelpunkt stellen; dies gliederte die Ausstellung u.a. in die Bereiche “Familienaufstellung”, “Die unreine Liebe” und “Das monströse Kind”. In jeder Abteilung war ein Bild ausgestellt, das mich über alle Maßen beeindruckte, sei es die karikierte Darstellung einer Familie und das vom Alter gezeichnete Liebespaar – beide von Otto Dix – oder Otto Nagels “Weddinger Jungen”.

Egal ob der neuen Sachlichkeit oder dem Surrealismus verbunden, bei fast allen Exponaten schimmert eine düstere, melancholische, z.T. desillusionierte Stimmung durch. Selbst Christian Schads berühmtes Werk “Sonja” strahlt eine kühle Melancholie und Unnahbarkeit aus. Besonders ergreifend war dieser dunkle Schleier in Wilhelm Lachnits Bildnis “Der traurige Frühling” ausgedrückt, was sicher auch in Beziehung zu dem Entstehungsjahr 1933 und seiner mehrwöchigen Gestapo-Haft steht.

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