In der Otto-Dix-Stadt Gera, so bezeichnet sich dieser Ort mittlerweile, gibt es zwei Orte, in denen man sich über das Leben dieses Künstlers informieren und auch einige seiner spektakulären Werke sehen kann. Wir suchten zunächst sein Geburtshaus auf, das ein wenig abseits des Stadtzentrums in Untermhaus liegt. Am Eingang empfing uns ein sehr freundlicher, zugewandter Angestellter, der froh war, überhaupt Besucher begrüßen zu können. Entsprechend ausführlich informierte er uns über dieses Haus und gab einige Anekdoten zum Besten. Im historischen Bereich des Hauses war das Ambiente eines einfachen Arbeiterhaushaltes um 1900 mit Quellenmaterial zu Leben und Werk des Künstlers. Der Galeriebereich umfasst zwei Ausstellungsräume. Die Präsentation „Wie alles begann“ im kleinen Saal zeigt ausgewählte Werke, die die Anfänge von Otto Dix‘ künstlerischer Karriere belegen. Für mich war erstaunlich zu sehen, wie ausdrucksstark er schon als 12 Zwölfjähriger zeichnen konnte. Einige der dort ausgestellten Skizzen zeigten sein zeichnerisches Talent. Im großen Saal, in dem Wechselausstellungen gezeigt werden, war die Sonderausstellung „Von nah und fern“ mit Landschaftszeichnungen von Heinrich Reinhold und Otto Dix bei weitem nicht so beeindruckend, eher fad.

In der Orangerie besuchten wir die Ausstellung „Otto Dix. Trau deinen Augen“, in der eine Auswahl von 50 Gemälden und 35 Papierarbeiten aus allen Schaffensphasen des Künstlers präsentiert werden. So folgten nach der Phase der Landschaftsmalerei, die wir ansatzweise in seinem Geburtshaus sahen, als Reaktion auf den ersten Weltkrieg sowie dessen Folgen die Werke, für die Otto Dix berühmt wurde, und die mich für diesen Künstler schon seit langem einnahmen. Insbesondere der Zyklus „Krieg“ mit seinen aufrüttelnden Motiven sowie das gleichnamige Triptychon berührten mich ungemein. Die Zeit des Nationalsozialismus lebte Dix in der inneren Immigration, nachdem seine Werke von den Nazis als entartete Kunst gebrandmarkt worden waren. Er hielt sich mit „unverdächtigen“ Auftragsarbeiten über Wasser. Hierbei dominierten insbesondere religiöse Darstellungen. Seine unmittelbar nach Kriegsende entstandenen Werke in dezenter Farbgebung spiegeln das Entsetzen von Mensch und Umgebung wider. In seiner letzten Schaffensphase war Dix, so würde ich es zumindest aus seinen Werken ablesen, zerrissen zwischen den sich unterschiedlich entwickelnden Kultur- und Kunstvorstellungen in den beiden deutschen Staaten. So sah ich Werke, die stark personenbezogen Motive mit impressionistischer Betonung aufwiesen, während er andererseits Bilder anfertigte, die stark an den sozialistischen Realismus erinnerten. Für mich war es insgesamt eine tolle Erfahrung zu sehen, wie sich politisch-gesellschaftliche Entwicklungen im Schaffen eines Künstlers widerspiegeln.
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