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Der Halensee

Ich weiß nicht, ob es schlau ist einer etwas breiteren Öffentlichkeit eine Badestelle vorzustellen / bekannt zu machen, die noch nicht überlaufen ist und darüber hinaus auch noch kostenfrei genutzt werden kann. Ich spreche hier vom Halensee, eine Badestelle, die etlichen Westberliner im „fortgeschrittenen“ Alter vielleicht noch geläufig ist.

Der Halensee liegt mitten in der City West, am Ende des Kudamms, mit Blick auf den Funkturm, neben der Halenseestraße. Er ist 5,7 Hektar groß und bis zu zehn Meter tief. Dort gibt es seit Jahrzehnten diese wilde Badewiese, abseits von dem öffentlichen Strandbad, das mittlerweile zu einem Luxusbad mutierte, wo man 7 € Eintritt berappen muss, nur weil dort einige Liegen angeboten werden.

Die Badewiese selbst wurde früher als ein Schwulentreffpunkt diskreditiert und stigmatisiert, was mich aber auch damals nicht davon abhielt, ab und zu ins kühle Nass zu springen. Nach Jahrzehnten bin ich jetzt wieder auf diese Badestelle gestoßenen, weil ich nach einer Möglichkeit suchte möglichst ungestört und zu beliebigen Zeiten schwimmen zu gehen. Mittlerweile hat sich auch das Publikum durchaus geändert: Mittel- bis spätalterliche Personen zeigen ihre – häufig ohne Bekleidung bedeckte – gebräunten Körper, man scheint sich hier zu kennen, begrüßt sich und geht insgesamt respektvoll miteinander um. Was mich faszinierte ist, dass diese Badestelle absolut sauber ist, egal zu welcher Tages- oder Abendzeit man sich hier aufhält. Und dies alles bei doch recht wenig vorhandenen Mülleimern.

Es macht Spaß sich in den Fluten zu tummeln, man kann den See in voller Breite durchqueren bis zu dessem Ausgang. Neben der Badestelle nisten Schwäne und Blässhühner, völlig unbeeindruckt von den Badenden schwimmen sie an einem vorbei.

Lange Zeit herrschte Badeverbot im Halensee, da die Wasserqualität zu wünschen übrig ließ. Der See selbst besitzt keinen natürlichen Zufluss. Er speist sich aus Grundwasser sowie dem Zufluss vom Straßenwasser der Autobahn und aus den Wohngebieten in der Umgebung. Eine neue Filteranlage für das Regenwasser sorgt seit 2007 für Abhilfe. Seit dem ersten Mai 2016 ist das Baden im Halensee wieder erlaubt.

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